WE MIGHT AS WELL LIVE von Sharon Smith und Tom Parkinson beim KALTSTART-Festival

Sharon Smith und Tom Parkinson: WE MIGHT AS WELL LIVE

WE MIGHT AS WELL LIVE von Sharon Smith und Tom Parkinson ist wie eine Einladung, einen Blick in den Browser-Verlauf eines fremden Computers zu werfen: Interessen, Fragen und Sorgen, Konsum-, Beziehungs- und Sexualverhalten tauchen wie Schlaglichter auf. Es ist nichts so wie es wirklich ist, aber es bietet seltsame Einblicke, wie durch ein Kaleidoskop. Dieses schöne Bild stammt nicht von mir – bis auf das Kaleidoskop – sondern von Sharon und Tom.

“We’ve been exploring sound – and the effects sound has on the body, and sound as metaphor, as a way of exploring composition, of bodies and space and relationships.”

Sharon und Tom fragen, untersuchen, mutmaßen und wundern sich über Beziehungen, Abhängigkeiten und Kausalitäten – und stellen Verbindungen her, wo eigentlich keine zu vermuten wären: in Lautsprechern blubbernde Flüssigkeiten, tanzende Strohhalme, singende Gläser, die unterschiedlichen Einflüsse „neutraler“ oder „romantischer“ Musik auf das menschliche Verhalten und Geschichten wie die über kleine Parasiten, die Mäuse dazu verleiten, vor einer Katze zu tanzen, werden durch Tanz- und Gesangseinlagen miteinander verbunden.

Kuriose wissenschaftliche Erkenntnisse, Theorien oder Versuche werden übertragen auf das kuriose Versuchslabor Leben, auch unter Einbeziehung des Publikums: ein Zuschauer auf Sharons Rücken illustriert z.B., warum Kakerlaken nicht zertreten werden sollten. Experimente mit Peitschen und Würstchen werden unterbrochen durch „Blackouts“ und begleitet von großzügigen Mengen Wein.

Sharon Smith, PhD in Performance und u.a. Mitglied von GOB SQUAD

Obwohl die Performance mehrere Elemente beinhaltet, die ich ansonsten kategorisch ablehne, wie das Rumreichen von Weinflaschen oder Mitsing-Aktionen, wirkte hier alles völlig passend. Überhaupt zeichnet sich WE MIGHT AS WELL LIVE dadurch aus, dass alle Elemente und Fragmente sehr stimmig und stimmungsvoll kaleidoskopartig zueinander gehören: Performer und Performance sind nicht zu trennen. Sharon und Tom schaffen Authentizität ohne Authentizitätsbemühungen. Nicht alleine was sie tun und sagen, sondern wie sie es tun und sagen hat eine sehr unmittelbare und berührende Wirkung – was z.B. dadurch belegt wird, dass sie es tatsächlich geschafft haben, das Hamburger Publikum komplett zum Mitsingen zu animieren, inklusive mir selbst.

 

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