Antiformalismo – ein Mexorzismus von Gintersdorfer/Klaßen auf Kampnagel

Exorzismus im Sinne von Austreibung, Heilung und auch im Sinne von Widerstand ist schon lange Thema der Arbeiten von Gintersdorfer/Klaßen, beispielsweise in „Exorzieren statt Exerzieren“. Passend zu den politischen Veränderungen seit der Wahl von Trump und seiner Wahlkampfdrohung, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen, haben Gintersdorfer/Klaßen nun also mexikanische Performer versammelt, um einem Mexorzismus zu zelebrieren.

Antiformalismo - ein Mexorzismus von Gintersdorfer/Klaßen auf Kampnagel. Foto: Adrian Anton Weiterlesen

NEXT DAY von Philippe Quesne / Campo Gent auf Kampnagel

NEXT DAY von Philippe Quesne / Campo Theater auf Kampnagel. Foto: Adrian Anton

NEXT DAY von Philippe Quesne / Campo Theater auf Kampnagel. Foto: Adrian Anton

Kindern sieht man ja immer irgendwie gerne zu – außer, wenn sie gerade Pilze zertreten, Fliegen die Flügel ausreißen oder ihre Popel essen. Aber wenn sie ganz harmonisch miteinander spielen oder noch besser: gemeinsam musizieren, kann ja eigentlich nicht viel schief gehen. Von daher ist der französische Regisseur Philippe Quesne kein großes Risiko eingegangen, als er im Auftrag des belgischen Theaters Campo mit „Next Day“ ein Stück „von Kindern für Erwachsene“ auf die Bühne gebracht hat. Oder doch? Vor ihm haben sich bereits andere daran versucht, beispielsweise das Performance-Kollektiv Gob Squad, deren sehr erfolgreiches und berührendes Stück „Before Your Very Eyes“ 2012 bereits zum Theatertreffen eingeladen wurde. Weiterlesen

XIU XIU spielt TWIN PEAKS @ Kampnagel

XIU XIU ist bekannt für eher düstere und gerne schräge Soundwelten, so dass die Idee, den sphärischen Soundtrack zur Kult-Serie TWIN PEAKS von David Lynch neu zu interpretieren, nicht wirklich abwegig ist. Die Idee dazu stammt angeblich von Lynch selbst. Musikalisch ist das auch stimmig, vor allem aufgrund der Unstimmigkeiten wie dem prägnanten Gesang von Jamie Stewart, der den im Original von der zarten Stimme von Julee Cruise gesungenen Liedern eine ganz eigene Stimmung verleiht. Etwas mehr Stimmung wäre allerdings bei der Performance möglich gewesen, denn die war ziemlich minimalistisch. Dabei hätte ja schon ein paar rote Vorhänge an den Warteraum in den Träumen von Agent Cooper erinnert. Auf eine Art schade, aber besser so als mit irgendwelchen Kunstpop-Effekten aufgeblasen zu werden. So ging es eben nur um die Musik.

Auf Kampnagel gab es auch keine Videoprojektionen wie bei dieser Aufzeichnung:

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Tierschreie? Schorsch Kamerun und Fabian Hinrichs auf Kampnagel

ICH HABE UM HILFE GERUFEN, ES KAMEN TIERSCHREIE ZURÜCK – ein schöner Titel für einen schönen Abend mit Musik, Tanz und Monologen von Schorsch Kamerun und Fabian Hinrichs, die hoffen, durch Musik oder theatrale Gesten etwas im Publikum zum „Piepen“ zu bringen. Sehr charmant in ihrem offensiven Bekenntnis zur Nicht-Perfektheit ist der Abend aber doch erstaunlich gefällig, von der sehnsuchtsvoll-melancholischen und Dank PC Nackt fast tanztauglichen Musik über die ausgedehnte Monolog-Performance von Fabian Hinrichs, die dem für einen Ort wie Kampnagel entsprechendem kreativ-individualisierten Publikum, das sich irgendwo zwischen Hoch- und vermeintlicher Subkultur verorten dürfte, viele Anknüpfungspunkte bietet: Die Suche nach Raum zum Träumen, die manchmal zu Reisen in die Weltmetropolen oder an vermeintlich abgelegene Orte führt oder sich in der Suche nach Bildung oder Verwirklichung und Ausdruck in möglichst künstlerischen oder zumindest kreativen Berufen äußern kann – um irgendwann festzustellen: Ich dachte ich wollte das, aber ich sollte das wollen. Der Fluch der schönen neuen Welt des affirmativen Kapitalismus. Fabian Hinrichs gestaltet seinen Part ähnlich wie in „ICH SCHAU DIR IN DIE AUGEN GESELLSCHAFTLICHER VERBLENDUNGSZUSAMMENHANG“ oder „KILL YOUR DARLINGS“ von René Pollesch mit betont überbetonter Betonung, aus der immer auch eine tiefe Sehnsucht spricht. Das ist ganz rührend und unterhaltsam (von den völlig unnötigen „theatralen“ Effekten wie den Tanzeinlagen oder den fingierten Störungen aus dem Publikum abgesehen), aber irgendwie auch nicht wirklich weiterführend. Ist Kapitalismuskritik heute nur noch als Befindlichkeitskrise greifbar? Am Ende bleibt die Sehnsucht nach einem Raum zum Träumen. Ob Theater oder Musik diesen Raum bieten können?

Reisesouvenirs? Schorsch Kamerun & Fabian Hinrichs. Foto: DorotheaTuch

Reisesouvenirs? Schorsch Kamerun & Fabian Hinrichs. Foto: DorotheaTuch

ICH HABE UM HILFE GERUFEN, ES KAMEN TIERSCHREIE ZURÜCK
Konzept, Text, Regie, Musik: Schorsch Kamerun Konzept, Text, Regie, Performance: Fabian Hinrichs Tanz: Skvo’s Dance Company/ Minsk Dramaturgie: Christina Runge Bühne und Kostüme: Katja Eichbaum Licht: Thomas Schmidt Ton: Matthias Kirschke Produktionsassistenz: Christina Ostrowski Weiterlesen

EXORZIEREN STATT EXERZIEREN von Gintersdorfer/Klassen auf Kampnagel

Das umtrie­bige Kollektiv rund um Gintersdorfer/Klaßen, das zuletzt mit „Not Punk, Pololo“ oder 2010 mit „Rue Prin­cess“ auf Kamp­nagel zu erleben war, hat auch für „Exor­zieren statt Exer­zieren“ wieder ein inter­na­tio­nales Team beein­dru­ckender Performer zusam­men­ge­bracht: Cécilia Bengolea (wie immer groß­artig in ihrer Heftig­keit), Alex­ander Cephus, Gotta Depri, Hauke Heumann, Peter Ott, Eric Parfait Francis Taregue alias S Kelly, Marga­rita Tsomou sowie Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star. Weiterlesen

Tear the Walls of EUROPA,EUROPA von FUL + The Knife auf Kampnagel

Europa, Europa“ wird als anti-nationalistisches Kaba­rett der post-kolonialen und queer-feministischen Performance-Gruppe FUL und des schwe­di­schen Elektro-Duos The Knife ange­kün­digt. Im Vorfeld der schwe­di­schen Parla­ments­wahlen 2014 tourte das Agitpop-Theater quer durch Schweden, wobei alle Vorfüh­rungen im Freien und ohne Eintritt stattge­funden haben. Nun ist die Truppe mit „Europa, Europa“ unter­wegs durch Europa und hat am 21. August 2015 beim Inter­na­tio­nalen Sommer­fes­tival auf Kamp­nagel Deutschlandpremiere. Weiterlesen

Agitpop-Theater: EUROPA EUROPA von FUL + The Knife

Eigentlich provozieren Ankündigungen wie „Glitzerndes Agitpop-Theater zum Tanzen der queer-feministisch-postkolonialen Gruppe…“ bei mir sofort Skepsis bis Zynismus, aber in diesem Fall nicht, da es um das Projekt EUROPA EUROPA von der Performance-Gruppe FUL und der Band The Knife geht. Weiterlesen