THE PAST von Constanza Macras | DorkyPark an der Schaubühne Berlin

Constanza Macras hat ein Gespür für das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen. Sie stellt in Frage und entfremdet die Orte und Gegenstände des Alltags, aber vor allem die Bewegungen des Alltäglichen. In ihren Welten wie in MEGALOPOLIS oder BERLIN ELSEWHERE, aber auch hier in THE PAST, begegnen einem amorphe Plastiktüten, einbeinige Kleider und singende Satellitenschüsseln. Noch fremder erscheinen einzelne Gliedmaßen, die ein Eigenleben zu führen scheinen.

In THE PAST geht es um „The Art of Memory“, um Erinnerung, Erinnerungstechniken, Erinnerungsorte, aber auch um die Subjektivität und Widersprüchlichkeit von Erinnerungen. Zwei Menschen können vielleicht im Gleichschritt laufen und in der selben Jacke stecken, aber dennoch unterschiedliche Meinungen und Ansichten vertreten.

Die Texte sind der Philosophiegeschichte, Semiotik und Rhetorik entlehnt, aber auch aus Interviews mit Menschen in Dresden zu ihren Kriegserinnerungen. Es geht um die Verbindung von Erinnerungen, Orten und Trauma. Aber die Worte stehen bei Macras immer in Verbindung mit Bewegung, die oft Aspekte ausdrücken kann, die nicht in Worte zu fassen sind. Sowohl die Choreografien von Constanza Macras als auch die Musik von Oscar Bianchi gehen oft bis an die Schmerzgrenze, wie zum Beispiel ein dissonantes Flötenkonzert, das an Fliegeralarm und pfeifende Geschosse denken lässt. Oder sie bewirken das Gegenteil: Absurd-komische Szenarien und Slapstick-Elemente, die fast an bessere Stücke von René Pollesch erinnern.

Nachdem OPEN FOR EVERYTHING mit seinen folkloristischen Elementen sehr zugängig und beinahe gefällig war, ist THE PAST definitiv weniger leicht konsumierbar. Das Erinnerungsgebäude von THE PAST ist voller Verstöhrungen und Verunsicherungen, voller Skurrilitäten und Absurditäten – und dadurch sehr vertraut und nah dran an den Lebenswelten und -realitäten unserer Gesellschaft.

THE PAST von Constanza Macras | DorkyPark und Oscar Bianchi
Regie und Choreographie: Constanza Macras, Musik und Komposition: Oscar Bianchi, Bühne: Laura Gamberg / Chika Takabayashi, Kostüme: Allie Saunders, Kostüm-Assistenz: Daphna Munz, Dramaturgie: Carmen Mehnert, Licht: Sergio de Carvalho Pessanha, Ton: Stephan Wöhrmann, Produktion: Katharina Wallisch, Produktionbüro: René Dombrowski
Von/Mit: Louis Becker, Emil Bordás, Fernanda Farah, Luc Guiol, Miako Klein, Nile Koetting, Johanna Lemke, Ana Mondini, Felix Saalmann, Miki Shoji, Michael Weilacher
Musiker: Miako Klein / Michael Weilacher

Hier ein paar Eindrücke der Arbeiten von Constanza Macras | DorkyPark:

MEGALOPOLIS

BERLIN ELSEWHERE

BACK TO THE PRESENT

DISTORTION

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