WESTERN SOCIETY – good or bad? Fragen von GOB SQUAD auf Kampnagel

WESTERN SOCIETY setzt an den Anfängen an: 2 Millionen Jahre B.C. Aber die Zeit vergeht schnell. Als der Mensch auftritt, ist er nackt – abgesehen von Make-Up, blonder Perücke und High Heels. Mit dem Shopping kommen auch die Outfits: Sonnenbrillen, goldene Hot Pants, glitzernde Leo-Leggings, Netzshirt, viel Stretch und Polyester. Aber auch wenn das Performance-Kollektiv Gob Squad so das Setting für WESTERN SOCIETY als dekadenten Glamour Trash inszeniert, haben sie ihren Fokus auf ein extrem unglamouröses und praktisch unbeachtetes YouTube-Video gerichtet: Weiterlesen

Agitpop-Theater: EUROPA EUROPA von FUL + The Knife

Eigentlich provozieren Ankündigungen wie „Glitzerndes Agitpop-Theater zum Tanzen der queer-feministisch-postkolonialen Gruppe…“ bei mir sofort Skepsis bis Zynismus, aber in diesem Fall nicht, da es um das Projekt EUROPA EUROPA von der Performance-Gruppe FUL und der Band The Knife geht. Weiterlesen

DIE STUNDE DA WIR ZU VIEL VONEINANDER WUSSTEN auf Kampnagel

Die Performer von „Nico and the Navigators“ beweisen in ihrer Inszenierung „Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten“ auf Kampnagel bei vielen Szenen ein gutes Gespür für Alltagsbeobachtungen und Stimmungen: Menschen, die hektisch durcheinander und aneinander vorbei laufen, stoßen immer wieder abrupt zusammen, so dass es zu kurzen Momenten der Nähe kommt, bevor alle wieder weiter hetzen. Es ist ein Spiel mit Gegensätzen und Kontrasten: Weiterlesen

Im Osten nichts Neues? GO OST beim KRASS-Festival auf Kampnagel

Die Lesung von Alexander Pehlemann aus seinem Buch GO OST! über Subkulturen in Osteuropa, musikalisch unterstützt von FELIX KUBIN, im Rahmen vom KRASS – KULTUR CLASH FESTIVAL auf KAMPNAGEL,  hat erstaunlich wenig Neues über Subkulturen östlich von der west-eurozentristischen Perspektive gebracht. Im Mittelpunkt standen eher eine persönliche Verortung und Geschichtsschreibung von Pehlemann und Kubin, was ja auch o.k. und ganz interessant ist, aber nicht unbedingt den Horizont erweitert. Weiterlesen

Theater + Politik: DIE SCHUTZBEFOHLENEN von Elfriede Jelinek

Elfriede Jelinek hat „Die Schutzbefohlenen“ ursprünglich im Zusammenhang mit der Inszenierung „Kommune der Wahrheit. Wirklichkeitsmaschine“ von Nicolas Stemann als direkte Reaktion auf die Ereignisse der im Mittelmeer harvarierten oder in Italien und später auch in Österreich und Deutschland gelandeten Lampedusa-Flüchtlinge geschrieben. Ihr Text ist entsprechend wütend, aber auch Ausdruck einer Hilflosigkeit: Weiterlesen

Queer + Indie: THE HIDDEN CAMERAS

Popmusik bin ich meist eher skeptisch gegenüber. Irgendetwas fehlt immer, entweder die richtige Stimmung und Energie oder der Inhalt. Beides in Kombination ist eher selten.

Bands, die mit ihrer Musik etwas vermitteln wollen und diesen Inhalt nicht nur in der Musik, sondern auch visuell umsetzen können, sind noch seltener. Daher bin ich immer auf der Suche.

THE HIDDEN CAMERAS werden immer wieder mit den Begriffen queer + Indie in Verbindung gebracht. Zwar ist der Hinweis „queerer Indie-Pop“ noch nicht sehr aussagekräftig, aber bei THE HIDDEN CAMERAS scheint es, als ob sie sich von der Beliebigkeit und Belanglosigkeit des Pop-Mainstreams abheben. Die aus Toronta stammende Band ist ein loses Kollektiv rund um Sänger und Songwriter Joel Gibb, der die Musik der Band mal als gay church-folk beschrieben hat. Inzwischen lebt Joel Gibb teilweise in Berlin, wo er anscheinend die Kirche gegen das Berghain eingetauscht hat, jedenfalls hört man der Musik den Folk nur noch bei wenigen Liedern an.

Am 4. November spielen THE HIDDEN CAMERAS im kmh auf Kampnagel.

The Hidden Cameras auf Kampnagel. Foto: Adrian Anton

The Hidden Cameras auf Kampnagel. Foto: Adrian Anton

Nachtrag zum Konzert: Die Musik überzeugt mich nicht immer, und irgendwie hatte ich mir mehr Inhalt erhofft. Aber so ist das wohl mit Popmusik: Da scheint es auszureichen, wenn eine Goldschleife um die schönen Männerkörper gebunden wird… #AllThatGlittersIsNotGold

Aber die Videos finde ich absolut sehenswert, da sie den Inhalt der Lieder besser transportieren als Joel Gibbs das Live tut oder zumindest auf Kampnagel getan hat:

Das Video zu GAY GOTH SCENE ist wie ein Kurzfilm über homophobe Gewalt und Mobbing unter Jugendlichen. Bietet sicher nicht nur mir viele Identifikationsmöglichkeiten… ich erinnere mich noch gut an Eier, die mir von einer Jungsgang auf dem Weg nach Hause an den Kopf geschmissen wurden… Das Video ist zwar sehr beklemmend, aber auch sehr eindeutig. Von Anfang bis Ende ist alles klar und vorhersehbar, wie in einer griechischen Schicksalstragödie oder einem pädagogischen Lehrfilm. Mir fehlt da ein wenig der Bruch mit Stereotypen.

Bei dem Video musste ich an das Video von THE KNIFE zu PASS THIS ON denken, das sehr gelungen mit den Erwartungshaltungen und stereotypen Rollenbildern spielt und sozusagen eine positive Sozial-Utopie zeigt:

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Wagner as a divine comedy: ALL IS DIVINE by Charlotte Engelkes on Kampnagel

As part of the NORDWIND-festival Charlotte Engelkes and her companions present their very own take on Richard Wagner’s “Ring der Nibelungen” on Kampnagel: ALL IS DIVINE. Weiterlesen

More than words can say: VARIATIONS ON CLOSER by Margrét Sara Gudjónsdóttir on Kampnagel Nordwind Festival.

Since I am usually living in an over-articulated world I always feel sort of lost whenever I am confronted with other forms of expression than words. Dance-performances for instance. Last night was such an occasion: VARIATIONS ON CLOSER by Margrét Sara Gudjónsdóttir.

Three incredible performer – Laura Siegmund, Johanna Chemnitz, Angela Schubot – “investigate different variations of closeness between an individual and his observers.” Weiterlesen