BOYS DON’T CRY von Mungo Park/Eventministeriet auf Kampnagel

BOYS DON’T CRY erzählt die auf wahren Tatsachen basierende Geschichte von dem Trans*Mann Brandon Teena aus Nebraska, der 1993 erst vergewaltigt und anschließend getötet wurde. Angekündigt wird die Inszenierung von Mungo Park/Eventministeriet von Kampnagel als „detailgetreue Spielweise„.  Allerdings wird nirgendwo darauf hingewiesen, dass BOYS DON’T CRY eine minutenlange realistische Darstellung einer gewaltsamen Vergewaltigung zeigt, die kaum auszuhalten und zu ertragen ist.

Klar werden am Theater und in der Kunst immer wieder Gewalt und Vergewaltigung thematisiert, aber in der Art der Inszenierung gibt es entscheidende Unterschiede. Die Art, wie hier eine Vergewaltigung dargestellt wird, soll bewusst unerträglich und beklemmend sein – was auch erreicht wird. Minutenlang werden die Zuschauer gezwungen, das Reanactment einer brutalen Vergewaltigung zu ertragen, was unerträglich ist. Keine Warnung an das Publikum, dass Überlebende sexualisierter Gewalt hier mit Erinnerungs-Triggern rechnen müssen, keine Möglichkeiten, sich der Situation zu entziehen.

Einen so dermaßen verantwortungslosen Umgang mit dem Thema Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt finde ich ziemlich bemerkenswert, zumal Mungo Park/Eventministeriet sich ja offensichtlich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Die Entscheidung für diese Form der „detailgetreuen Spielweise“ bei einer Vergewaltigungsinszenierung ist also ganz bewusst getroffen worden. Absolut unverantwortlich und total daneben, denn wenn es bei dieser künstlerischen Entscheidung darum ging zu schockieren, müssen sich die Macher doch auch die Frage stellen, wen sie schockieren wollen und mit welchen Folgen.

Die Geschichte von BOYS DON’T CRY dürfte vor allem Menschen interessieren, die sich mit sexualisierter Gewalt und Hass gegen Homosexuelle und Trans*Menschen auseinandersetzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige dieser Menschen bereits selbst Gewalt und Diskreminierung erlebt haben, ist naheliegend. Die Wahrscheinlichkeit, dass Überlebende sexualisierter Gewalt im Publikum sind, ebenfalls – zumal rein statistisch jede 7. Frau Vergewaltigung erlebt und davon auszugehen ist, dass die dazwischenliegenden 6 Frauen Angst vor Vergewaltigung erlebt haben. Bei Trans*Menschen dürften die Zahlen noch erschreckender sein, da die Dunkelziffer noch höher ist. Schätzungen gehen davon aus, dass „One in two transgender individuals are sexually abused or assaulted at some point in their lives.“ Laut einer Statistik des Trans Murder Monitoring Projects wurden allein 2012 mindestens 265 Trans*Menschen ermordet, Selbstmorde nicht mitgerechnet. Die Geschichte von Brandon Teena ist daher offensichtlich kein Einzelfall. Der verantwortungslose Umgang mit Vergewaltigung wie bei der Inszenierung von BOYS DON’T CRY leider auch nicht.

#RapeCulture

Leitung: Anders Lundorph Mit: Mungo Park Ensemble, Christine Albeck Børge, Nicolai Jandorf, Anders Budde, Lise Lauenblad, Marianne Mortensen, Amanda Collin and Jonas Munck Hansen Musik: Jonas Munck Hansen Licht: Per Olsen Sound: Jonas Jensen Kostüme: Anne Sofie Bruun Produktion Eventministeriet: Rikke Hedeager Produktion Mungo Park / Internationale Beziehungen: Anne Sophie Fogedby

Trailer der gleichnamigen Verfilmung von 1999:

Wer interesse an der Geschichte hat findet hier die 90 minütige Doku „The Brandon Teena Story“:

 

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