Tear the Walls of EUROPA,EUROPA von FUL + The Knife auf Kampnagel

Europa, Europa“ wird als anti-nationalistisches Kaba­rett der post-kolonialen und queer-feministischen Performance-Gruppe FUL und des schwe­di­schen Elektro-Duos The Knife ange­kün­digt. Im Vorfeld der schwe­di­schen Parla­ments­wahlen 2014 tourte das Agitpop-Theater quer durch Schweden, wobei alle Vorfüh­rungen im Freien und ohne Eintritt stattge­funden haben. Nun ist die Truppe mit „Europa, Europa“ unter­wegs durch Europa und hat am 21. August 2015 beim Inter­na­tio­nalen Sommer­fes­tival auf Kamp­nagel Deutschlandpremiere.

Europa, Europa“ beginnt mit einem mehr­spra­chig gesun­genen Geburts­tags­lied: Es wird der 11. Geburtstag von Frontex gefeiert – eine zwei­fel­hafte Feier, wie schnell klar wird, als die Funk­tionen und Aufgaben dieses Unter­neh­mens zur Siche­rung bzw. Abschot­tung der euro­päi­schen Außen­grenzen eindring­lich geschil­dert werden. „Denn wir sterben an deinen Grenzen, Europa!“ heißt es so auch in der folgenden düsteren Hymne, die musi­ka­lisch alle Elemente beinhaltet, für die das schwe­di­sche Elektro-Duo The Knife bekannt ist: Trei­bende elek­tro­ni­sche Rhythmen, sphä­ri­sche Instru­mente und Geräus­chef­fekte sowie der einpräg­same Gesang von Karin Dreijer. Im Hinter­grund pulsiert auf einem Screen „Tear the Walls of Europe“. Dass die Perfor­mance immer auch an den jewei­ligen Auffüh­rungsort ange­passt wird, zeigt eine Dank­sa­gung an Initia­tiven zur Unter­stüt­zung von Flücht­lingen hier in Hamburg, darunter die Gruppe „Lampe­dusa Hamburg“, die auch im Publikum vertreten war, oder die Gruppen „Welcome to Barmbek“ oder „Refu­gees Welcome Karoviertel“.

Die Performer Ellen Nyman, Bahareh Razekh Ahmadi, Kudzai Chim­baira und Rani Nair greifen sowohl auf zynisch-ironische Elemente des poli­ti­schen Kaba­retts zurück, zum Beispiel wenn es um die Frage geht, wer ein Recht auf ein Stück vom Kuchen hat, als auch auf emotio­nale Erleb­nis­be­richte von Flücht­lingen, die sowohl von trau­ma­ti­schen Fluch­ter­in­ne­rungen als auch der anschlie­ßenden nicht weniger trau­ma­ti­schen Krimi­na­li­sie­rung in Europa berichten, wo sie als Lügner, Para­siten und Krimi­nelle bezeichnet werden. Als Empower­ment setzen FUL und The Knife in dem Song „For All the Names We are Not Allowed to Use“ dieser Diff­ar­mie­rung entgegen: „Call us heroes! For all the borders we survived, for all the fears we defied“.

Europa, Europa“ wird weiter inner­halb der Grenzen des Schengen-Abkommens touren und viel­leicht auch diese Grenzen überschreiten, gemäß der gemeinsam mit dem Publikum skan­dierten Schluss­for­de­rung: „No Borders – No Nations – Stop Deportation!“

Erstveröffentlicht auf Godot – dem Hamburger Theatermagazin.

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