Sweet Memories: René Pollesch’s ROCCO DARSOW

„Du kannst mir doch nicht so unerwartet deine leidenschaftliche Liebe erklären!
Sowas macht man nicht.“

Eigentlich fällt es bei Stücken von René Pollesch oft schwer zu sagen, worum es eigentlich geht: Kapitalismuskritik? Neurobiologie? Bei Rocco Darsow hat sich Pollesch dieses Mal eher beschränkt, oder sagen wir: konzentriert. Auf die Liebe, oder deren Unmöglichkeit. Oder die Unmöglichkeit, Liebe auszudrücken und in Worte zu fassen. Oder darum, was diese Worte machen, wie sie Zuschreibungen darstellen und wie sie so etwas wie Realität konstruieren.

„Und ist nicht das die Realität, die immer so tut als wäre sie schon da, aber sie ist immer erst nachträglich da?“

Sachiko Hara, Christoph Luser, Bettina Stucky und Martin Wuttke mit Kojak-Frisur kämpfen in ROCCO DARSOW mit den Worten, der Liebe und dem Bühnenbild (Janina Audick), einer riesigen Torte, die von einem schwarzen Totenkopf/Tonstudio gekrönt wird. Es wird diskutiert, geraucht, gefilmt, gesungen [u.a. „Sweet Memories“ auf Japanisch] und verwirrt, indem von einer [Meta-]Ebene zur anderen gesprungen wird, was erstaunlich gut funktioniert, da alle Elemente und Ebenen sich in ihren Unstimmig- und Widersprüchlichkeiten wunderbar komplementieren.

„Ist es nicht ganz offensichtlich, dass etwas schrecklich Gewalttätiges darin liegt, einem anderen Menschen seine Leidenschaft für ihn offen zu zeigen? Die Tatsache geliebt zu werden, ist nun mal eine zutiefst traumatische Erfahrung.“

Endlich wieder ein Pollesch-Stück, in dem die Souffleuse eine aktive Rolle auf der Bühne übernehmen muss, da die Darsteller atemlos den Worten hinterherlaufen und sich gegenseitig mit dem typischen „Ja genau!“ die Einsätze abnehmen. Erinnerte mich sogar ein wenig an das erste Stück von René Pollesch, das mich sehr begeistert hatte [also nicht Pollesch’s erstes Stück, sondern das erste Stück von Pollesch, von dem ich begeistert war…]: FANTASMA, wo neben Martin Wuttke auch Sophie Rois nach einem Abgang von der omnipräsenten Bühne suchte.

Metaebene... Screenshot ROCCO DARSOW www.schauspielhaus.de

Metaebene… Screenshot ROCCO DARSOW http://www.schauspielhaus.de

Rocco Darsow von René Pollesch
MalerSaal / SchauSpielHaus Hamburg
Es spielen: Sachiko Hara, Christoph Luser, Bettina Stucky, Martin Wuttke.
Regie: René Pollesch, Bühne und Kostüme: Janina Audick, Video: Ute Schall, Licht: Susanne Ressin, Dramaturgie: Sybille Meier

Weckt schöne Erinnerungen: Kill Your Darlings! von René Pollesch an der Volksbühne, 2011

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