HEIMWEH + VERBRECHEN von Christoph Marthaler am SchauSpielHaus Hamburg

HEIMWEH + VERBRECHEN von Christoph Marthaler am Schauspielhaus Hamburg. Foto: Adrian Anton.

HEIMWEH + VERBRECHEN von Christoph Marthaler am Schauspielhaus Hamburg. Foto: Adrian Anton.

Zum ersten Mal seit Jahren hat Christoph Marthaler wieder in Hamburg inszeniert – und zum ersten Mal seit… keine Ahnung wann… war ich wieder richtig begeistert von einer Inszenierung. Immer wieder ein guter Indikator für gutes Theater: Wenn während der Vorstellung entrüstete Zuschauer den Saal verlassen und wenn beim Schlußapplaus die verbleibende Menge jubelt.

Marthaler erreicht diese Wirkung nicht durch billige Schockeffekte, Geschrei oder Geprolle, sondern durch seine konsequente Unaufgeregtheit – eben den tatsächlichen Wahnsinn der Gesellschaft: höfliche Beherrschung, routinierte Zurückhaltung, zermürbende Gleichförmigkeit. Bis zu dem Punkt, wo Gewalt und Verbrechen als Ventil, als Ausweg oder als Ergebnis oder Teil der Gewaltverhältnisse erscheinen.

Wie erschreckend zutreffend und aktuell bei gleichzeitiger Zeitlosigkeit Marthalers Thema ist, hat die Volksabstimmung in der Schweiz vorgeführt. Wenn das Volk seine Stimme erhebt… haben offensichtlich weniger die „Oberen Zehntausend“ zu fürchten als die, die sowieso schon ganz unten bzw. gar nicht richtig drin sind.

Theater + Gesellschaft: Hier gehen sie Hand in Hand, genau wie Heimat, HEIMWEH und VERBRECHEN. Großartig!

Als Eindruck: Murx den Europäer! von Christoph Marthaler

An dieser Stelle kann ich mir auch nicht den Kommentar zum neuen Logo vom SchauSpielHaus verkneifen: Wer bitte soll/will sich denn Aufkleber mit einem (D) auf gelbem Grund irgendwo hinkleben? Karin Beier hat in einem Interview gesagt, es ginge darum, sich dieses D für Deutsches Schauspielhaus zurückzuholen… Da kann ich nur Fragen: Wozu denn? Manche Dinge können ruhig auf dem Müllberg der Geschichte verrotten, denn manchmal sind sie ja aus gutem Grund dort gelandet.

Heimweh & Verbrechen von Christoph Marthaler, Anna Viebrock, Sarah Schittek, Malte Ubenauf und Ensemble
Uraufführung am 21/02/2014 im SchauSpielHaus
Es spielen:Olivia Grigolli, Rosemary Hardy, Irm Hermann, Ueli Jäggi, Josef Ostendorf, Martin Pawlowsky, Clemens Sienknecht, Bettina Stucky, Sasha Rau, Ulrich Voß
Regie:Christoph Marthaler, Bühne:Anna Viebrock, Mitarbeit Bühnenbild:Blanka Rádoczy, Kostüme:Sarah Schittek, Musik:Martin Schütz, Clemens Sienknecht, Dramaturgie:Malte Ubenauf

Dauer: Zwei Stunden, 15 Minuten.

 

 

 

 

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