WE SAW MONSTERS von Erna Ómarsdóttir auf Kampnagel

„Once upon a time…“ WE SAW MONSTERS

Erna Ómarsdóttir erzählt und besingt in WE SAW MONSTERS reale Geschichten von Mord, Verstümmelung und sexuellen Obsessionen. Es geht um Schmerz und Lust, Liebe und Hass und vor allem Lust am Schmerz und Lust am Hässlichen.

Zur Thematik von WE SAW MONSTERS sagt die isländische Künstlerin in einem Interview mit der Zeitschrift Tanz:

„Ich glaube, ich kämpfe immer mit meinen Ängsten in meinen Stücken. Nicht, dass ich traumatisiert wäre, ich hatte eine gute Kindheit. Aber wie alle Kinder hatte ich Angst vor der Dunkelheit – und ich fürchtete mich vor Monstern.“

WE SAW MONSTERS erzählt von diesen kindlichen Ängsten, aber auch vom kindlichen Spaß an Schmerz und Zerstörung. Angst, Schmerz und Lust liegen hier eng beieinander, so wie in den Choreografien Zartheit und Gewalt, Ruhe und Heftigkeit, Sensibilität und Rohheit eng miteinander verwoben sind.

So bewegen sich z.B. zwei beeindruckenden Tänzerinnen in lavendelfarbenen Hemdchen mit Spitzenkragen und weißen Strümpfen zwischen kindlicher Unschuld und exzessiver Gewalt, oder es entspinnt sich ein poetischer Tanz mit dem Sensemann.

Die Choreografien sind untrennbar mit der Musik von Valdimar Jóhannsson verbunden, der eine Kombination aus Kinderliedern und Industrial-Metall schafft. Kindergemurmel wird zu Geschrei, die Spieluhr-ähnliche Musik wird zu stampfendem Industrial-Sound, immer wieder begleitet durch die Stimmen und Schreie der Tänzer sowie den Gesang von Erna Ómarsdóttir.

WE SAW MONSTERS auf Kampnagel. Foto: Adrian Anton

Besonders gegen Ende hin findet Erna Ómarsdóttir in WE SAW MONSTERS eine düstere Form von Pierre-et-Gilles-Ästhetik, in der mit Prothesen und Kunstblut opulente Bilder entstehen, die voller ironischer Überzeichnung und schwarzem Humor sind.

„Ich wollte ein Ende, das zugleich grausam und tröstlich ist.“

Während das 2011 beim Nordwind-Festival gezeigte TEACH US TO OUTGROW OUR MADNESS durch die thematische Fokussierung auf Weiblichkeitsbilder eine ganz andere inhaltliche Brisanz hatte, bleibt WE SAW MONSTERS auf eine ästhetisch-beeindruckende Art aber verhältnismäßig eindimensional und beinahe hedonistisch. Die Sinnlichkeit und Poesie von Alpträumen wird in WE SAW MONSTERS zwar kunstvoll bebildert und musikalisch untermalt, aber den Bewegungen, Bildern und Stimmungen fehlt die mehrdeutige Tiefgründigkeit, die TEACH US TO OUTGROW OUR MADNESS so ausgezeichnet hat.

 

WE SAW MONSTERS

Von und Mit: Erna Ómarsdóttir, Valdimar Jóhannsson, Sigrídur Soffía Níelsdóttir, Sigtryggur Berg Sigmarsson, Ásgeir Helgi Magnússon, Lovísa Ósk Gunnarsdóttir
Musik: Valdimar Jóhannsson
Kostüme: Gabríela Fridriksdóttir, Hrafnhildur Hólmgeirsdóttir
Dramaturgie Assistenz: Karen Maria Jónsdóttir
Prothetik: Heimir Sverrirsson
Licht: Larus Björnsson, Sylvain Rausa
Ton: Lieven Dousselaere

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