Bemerkenswert? Wie das Theatertreffen 2012 mein Leben verändert

Mein erster Beitrag für das Theatertreffen-Blog ist veröffentlicht, eine Kritik an Kritiklosigkeit und Gedanken zum Begriff „bemerkenswert“, der ja Auswahlkriterium und Legitimierung der zehn nominierten Inszenierungen bildet. Jetzt stellt sich mir natürlich nicht nur die Frage, ob nun diese zehn Nominierungen bemerkenswert oder eher angreifbar sind, sondern auch, ob meine Gedanken dazu tatsächlich bemerkt werden sollten – und angegriffen. FLÜSTERN + SCHREIE ist ja sozusagen meine Plattform, hier schreibe ich in erster Linie für mich, hier muss ich mit niemandem meine Themen besprechen, hier korrigiert und redigiert niemand meine Texte, hier besteht für mich keinerlei Rechtfertigungsdruck. Deshalb gibt es FLÜSTERN + SCHREIE ja überhaupt. Ändert sich das jetzt, wo ich nicht mehr nur für mich schreibe? Oder ist das etwas, das lediglich in meinem Kopf passiert?

Mein bisheriger Kontakt zur Theatertreffen-Blog-Redaktion gibt mir jedenfalls keinerlei konkreten Anlass, mein Schreiben irgendwie rechtfertigen oder anpassen zu müssen. Naja, vielleicht außer in Bezug auf Genauigkeit, Form sowie journalistische Sorgfalt. Mir plötzlich mehr und vor allem andere Gedanken darüber zu machen, ob und wie und warum ich irgendetwas formuliere, wird also nicht von außen an mich herangetragen, sondern geht von mir selbst aus. Ist das ein ähnliches Phänomen wie bei Leuten, die sich aufgrund von Veränderungen ihrer Jobs oder gesellschaftlicher Positionen plötzlich in ihrer ganzen Art und Weise verändern?

Dieses Phänomen ist mir im Laufe der Jahre immer wieder begegnet: Studenten, die sich wahnsinnig ernst nehmen, nur weil sie eine HiWi-Stelle haben; ehemalige Aushilfen, die plötzlich sogar in ihrer Freizeit in alberner Business-Kleidung rumlaufen, nur weil sie jetzt fest angestellt sind; früher eigenständige Persönlichkeiten, die ausschließlich von Wir reden, nur weil sie geheiratet haben. Die Auslöser für solche Persönlichkeitsveränderungen können ganz unterschiedlich sein: Job, Macht, Geld, bei manchen ist es ein Dr.-Titel, bei anderen reicht schon ein I-Phone.

Identität oder Identitäten sind eben höchst fragil, da sie ohne Performance gar nicht existieren. Und die Performance kann sich nunmal je nach Umständen, Verhältnissen oder Jahreszeit ändern.

Muss ich jetzt auch aufpassen, dass mich das gleiche Schicksal ereilt? Dass ich mir plötzlich einbilde, drei Wochen beim Theatertreffen erfordern eine Neu-Gestaltung meiner Persönlichkeit? Ohne Frage wird mich das Theatertreffen verändern: ich werde drei Wochen in einer anderen Stadt wohnen, einen anderen Tagesablauf haben, andere Menschen treffen, neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Drei Wochen lang werde ich meine Freunde, mein Sportprogramm, meine Ernährungsgewohnheiten und sogar mein Schlafbedürfnis vernachlässigen müssen. Da wäre es naiv zu glauben, dass mich das nicht verändern würde. Finde ich ja auch gut, sonst würde ich sowas auch gar nicht erst machen. Worauf ich aber überhaupt keine Lust habe ist ein neues, aufgemotztes Selbstbild, nur weil ich mich plötzlich mit Kategorien wie Kulturblogger oder Theatertreffen-Talente schmücken darf. Und von mir als Person einmal abgesehen will ich auch nicht meine Einstellung zum Schreiben verändern: ich will nicht schreiben um zu gefallen oder um Zustimmung zu bekommen, ich will Schreiben als Medium der Auseinandersetzung.

Wie das Theatertreffen ansonsten mein Leben verändert wird sich zeigen.

 

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