Die Forderung, zu Staunen: WUNDERKAMMERN im Metropolis Kino, Hamburg

Da mich im Theater leider schon seit längerem kaum ein Stück wirklich berührt oder gar zum Staunen gebracht hätte, begebe ich mich zunehmend auf die Suche nach anderen Randgebieten der Kultur, auf die Suche nach – ja, wonach eigentlich? Nach etwas Neuem? Eigentlich denke ich gar nicht, dass es etwas wirklich „Neues“ überhaupt geben kann – und danach suche ich auch nicht. Wonach dann? Etwas „Aufregendem“? Vielleicht, allerdings hoffe ich, mich nicht auf der Suche nach dem nächsten Kick zu befinden. Eigentlich würde ich es als die ständige Suche nach Formen einer Auseinandersetzung beschreiben. Aber Auseinandersetzung womit? Auseinandersetzung bedeutet für mich vor allem, in Frage zu stellen. Gewohntes zu verlassen, Strukturen, Positionen, Perspektiven zu erweitern, zu wechseln, zu hinterfragen.

Vielleicht suche ich also tatsächlich nach einem „Staunen“, wie Michel Foucault es fordert, wie es seit den ersten Aufzeichnungen der Geschichte der Philosophie immer wieder gefordert wurde und wird. Platon beschrieb das Staunen als grundlegenden „Anfang der Philosophie“, genau wie Aristoteles: „Staunen veranlasste zuerst – wie noch heute – die Menschen zum Philosophieren.“ Im Zuge der Aufklärung wurde das Staunen zunehmend zu etwas Kindischem, Lächerlichem, Minderwertigem – zugunsten von Rationalismus, Wissenschafts-, Technik- und Fortschrittsgläubigkeit.
Hanna Nordholt und Fritz Steingrobe haben dem Staunen einen Abend mit Kurzfilmen gewidmet, mit dem Titel „Wunderkammern“, gleichzeitig Titel ihres eigenen Animationsfilms, der an diesem Abend auch Hamburg-Premiere hatte.

Die einzelnen Filme kann und will ich hier gar nicht beschreiben, zumal sie sich größtenteils jeder Beschreibung ohnehin entziehen. Die Wirkung der Filme hat mich aber tatsächlich erstaunt, da das Spiel mit Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen mich wunderbar berührt hat – und zum Staunen bringen konnte.
Zwei der Filme konnte ich zu meinem großen Erstaunen sogar im Netz finden: „La Comtesse de Castiglione“ (David Lodge, 2000) und „Phantom Museum“ (Quay Brothers, 2003). Vor allem „La Comtesse de Castiglione“ – großartig!

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Mehr zu Hanna Nordholt und Fritz Steingrobe, ihren Filmen und ihrem Hintergrund:
http://www.shortfilm.de/kurzfilmszene-deutschland/filmemacher/hanna-nordholtfritz-steingrobe.html

Wer einmal einen Eindruck von einer realen Wunderkammer erhalten will: naturkundliche und naturhistorische Museen eignen sich hervorragend, ganz toll z.B. in Wien oder Paris. Oder in einer zeitgenössischen Variante in Berlin im ME-Collectors Room:
http://www.me-berlin.com/wunderkammer/

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