GOYA + Lars Eidinger an der Schaubühne Berlin

»Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch«

Text, Regie und Bühne: Rodrigo García mit Lars Eidinger

„Seine Inszenierungen sind Provokationen, die mit großer szenischer Wucht den Zuschauer attackieren und in wütenden Texten mit der westlichen Zivilisation abrechnen“, schreibt die Schaubühne über den Autor und Regisseur Rodrigo García. Und tatsächlich wirkt das Stück wie eine Endzeit-Beschreibung: Stroboskop-Gewitter und gedärm-erschütternde Bässe, Fress- und Saufszenarien, Plastikrasen und ein Diskokugel-Mercedes. Die Handlung: Lars Eidinger als nicht mehr junger Vater zweier Söhne beschließt aus seinem Leben „was zu machen“: die Lebensersparnisse von 2000 Euro werden abgehoben, der Plan ist, mit seinen Söhnen in den Prado einzubrechen und dort eine Nacht lang Gemälde von Goya zu betrachten – aber die Neuzeit-Bälger wollen nach Disneyland, dem erklärten Feindbild des unangepasst-unzufriedenen Vaters. Wodurch ein Generationskonflikt thematisiert wird, der nicht mehr dem Klischee der gegen-die-Spießigkeit-der-Elterngeneration-rebellierenden Jugend passt: wenn nämlich genau diese Jugend, mittlerweile nicht mehr ganz so jung, sozusagen Berufs-Jugendliche, selbst Eltern werden – dazu verdammt, dass ihre Kinder sie hinterfragen und sich von ihnen abgrenzen.

Saturn frisst seine Kinder

Und die Frustration des Vaters ist offensichtlich: weder unerträglich lautes Techno-Geballer noch die Sehnsucht nach intellektueller Auseinandersetzung noch Drogen ändern daran was – alles bleibt Zerstreuung, die Suche nach dem nächsten Kick, nach der nächsten Grenzüberschreitung.

Stellt sich die Frage, was eigentlich im Theater passiert, wenn es eben nicht mehr lauter geht, wenn das Katzenfutter aufgefressen ist, wenn einem keine Grenze mehr einfällt, die überschritten werden könnte. Vielleicht Stille? Etwas mehr Stille hätte der Inszenierung vielleicht gar nicht geschadet, aber Stille entspricht so gar nicht dem Zeitgeist – und den Anforderungen und Erwartungshaltungen eines [im Vergleich zu anderen Theaterabenden auffällig jungen] Publikums, das eben schon alles gesehen hat, mit nichts mehr zu schocken ist und [genau wie Lars Eidinger auf der Bühne] auf der getriebenen und rastlosen Suche nach dem nächsten Kick, der nächsten Grenzüberschreitung oder irgendeinem Sinn ist.

Trailer der Schaubühne [sehr viel ruhiger als das Stück!]

[swf width=“560″ height=“315″]http://www.youtube.com/v/aYfNVZaSwRI?version=3[/swf]

Eine Produktion der Schaubühne am Lehniner Platz.

Text und Regie: Rodrigo García

Bühne und Kostüme: Rodrigo García

Video: Rodrigo García, Krzysztof Honowski

Dramaturgie: Nils Haarmann

Licht: Carlos Marquerie

Mit: Lars Eidinger

 

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